"Chöre auf dem Königsweg" 2010
unter der Schirmherrschaft der Ministerpräsidenten David McAllister (Niedersachsen) und Prof. Dr. Wolfgang Böhmer (Sachsen-Anhalt)
sangen Chöre aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt in ihrer gemeinsamen Kulturlandschaft
in
Quedlinburg, St. Servatius, 22.08.2010, 16.00 Uhr
Lamspringe, Klosterkirche, 29.08.2010, 16.00 Uhr
Dardesheim, St. Stephanus, 12.09.2010, 16.00 Uhr
Langelsheim, St. Andreas, 26.09.2010, 16.00 Uhr
Hornburg, Marienkirche, 03.10.2010, Tag der Deutschen Einheit, 16.00 Uhr
u.a.
mit dem Oratorienchor St. Servatius (Quedlinburg) und dem Gemischten Chor Groß Döhren, dem Kirchenchor Büntheim, der Harmonie Schladen und dem Kirchenchor Gielde in Quedlinburg (im Rahmen des 30. Quedlinburger Musiksommers)
mit dem Kantoreichor St. Pankratius (Bockenem) und dem Evangel. Kirchenchor St. Andreas (Langelsheim) und dem Internationalen Chor Hildesheim, der Männer-Gesangsverein von 1861 Groß Rhüden e.V., dem Kirchenchor Burgstemmen, dem Kirchenchor St. Vitus Hemmendorf, mit den Bläserchören aus der Region (u.a. Elze) unter der Leitung von Johannes Pflüger in Lamspringe (im Rahmen des 22. Lamspringer Septembers). An der Orgel: Annegret Grabenhorst.
der Männerchor "Liedertafel" Dardesheim, dem Schöninger Männergesangsverein Liedertafel, dem Seinstedter Chor "Miasobate" in Dardesheim,
der Evangelische Kirchenchor St. Andreas (Langelsheim), dem Kirchenchor Bockenem, dem Chor des Heimatvereins Heimburg e.V. in Langelsheim.
mit dem Kirchenchor der Marienkirche (Hornburg), der Hornburger Liedertafel und der Blankenburger Singgemeinschaft , dem Männerchor "Liedertafel" aus Dardesheim, dem Männergesangverein Hasserode 1865, dem Kirchenchor Burgstemmen, dem Kirchenchor Bockenem, dem Kirchenchor Gielde, dem Kirchenchor Watzum, der Harmonie Schladen, dem Gemischten Chor Groß Döhren, dem Chor "Miasobate" (Seinstedt) in Hornburg
Lesetexte zu den 5 Stationen von Chöre auf dem Königsweg" 2010 von Dr. Thomas Dahms:
Der „Königsweg“ verbindet mittelalterliche Königsorte; als moderner Wanderweg ist er von Brüggen an der Leine bis zur Kaiserpfalz Werla unweit Hornburg ausgeschildert.
„Chöre auf dem Königsweg“ verbindet Orte entlang des Königsweges. 2009 waren wir zu Gast in Brüggen (Leine), in Quedlinburg, in Bockenem, Derenburg und in Werlaburgdorf. 2010 sind wir Gast in Quedlinburg, Lamspringe, Dardesheim, Langelsheim und Hornburg.
„Chöre auf dem Königsweg“ verbindet Chöre aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt unter der Schirmherrschaft beider Ministerpräsidenten, David McAllister und Prof. Wolfgang Böhmer, auch weil wir in diesem Jahr den 20. Jahrestag der Deutschen Einheit begehen – als einen Tag der Freude, aber wir wollen diejenigen nicht vergessen, die heute nicht unter uns sein können. Ich bitte Sie daher, auch der Opfer des Kalten Krieges und der innerdeutschen Grenze zu gedenken.
Quedlinburg:
Für unsere Kulturlandschaft ist die Überwindung der innerdeutschen Grenze ein Geschenk. Seit dem Fall der Mauer trägt sie wieder ihren Namen Ostfalen.
Es ist dabei egal, welches Jahrhundert wir betrachten – immer wieder finden wir Beweise für das Zusammengehörende in unserer gemeinsamen Kulturlandschaft links und rechts des jetzigen „Grünen Bandes“.
Das Verbindende zeigt sich daher auch schon im 9. Jahrhundert:
Um das Jahr 825 wurde in Ostfalen das älteste Kanonissenstift (weltliches Frauenkloster) in Wendhusen, heute ein Stadtteil von Thale, gegründet. Und zwar von Gisela, der Tochter des letzten Herzogs der Ostfalen (Hessi, 775 Ohrum). Wendhusen war die wichtigste Ausbildungsstätte für die Töchter des höheren Adels.
Nur wenige Kilometer nördlich von Wendhusen liegt Quedlinburg.
Als unter Otto dem Großen 936 in Quedlinburg das St. Servatiusstift gegründet wurde, war es nach neuesten Forschungsergebnissen die Äbtissin von Wendhusen, die für die Neugründung in Quedlinburg die Leitung übernahm. Letztlich wurde Wendhusen nach Quedlinburg eingegliedert und Quedlinburg stieg zum großen Stift auf.
So verstand es das ottonische Königshaus im 10. Jahrhundert, die Bedeutung des ältesten weltlichen Frauenklosters mit seiner eigenen Bestrebung, den Hochadel Sachsens an seinen Klöstern erziehen zu lassen, zu verbinden.
Wendhusen, Quedlinburg, Gandersheim und Magdeburg wurden zu den wichtigsten Säulen der ottonischen Klöster- und Königslandschaft.
Lamspringe:
Der Hochadel war für den König Unterstützung und Gefahr zugleich. Karl der Große hatte das Reich noch fest im Griff, auch sein Sohn Ludwig, genannt der Fromme, regierte die meiste Zeit unangefochten. Dann aber stritten sich Ludwigs Söhne schon zu Lebzeiten des Vaters um das Erbe des Vaters und der Adel schloss sich entweder dem Kaiser oder einem seiner Söhne an. Der Hochadlige Rikdag stand treu zu Kaiser Ludwig dem Frommen, als des Kaisers Söhne gegen den Vater rebellierten. Wir haben eine Urkunde jenes Kaisers, in der Graf Rikdag reich beschenkt wird. Wir kennen den Namen Rikdag vom Braunschweiger Ortsnamen Riddagshausen, das ursprünglich Rikdagshausen hieß.
Nach dem Tode Kaiser Ludwigs kam es wieder zum Streit um das Erbe des Vaters. Aus diesem Streit entstand ein west- und ein ostfränkisches Reich. Das ostfränkische Reich wurde dann zum Kern des späteren deutschen Reiches, aber noch Otto der Große sah sich als ostfränkischen König.
Graf Rikdag (Lamspringe) stand zusammen mit dem Grafen Liudolf (Gandersheim) fest zum ostfränkischen Teilkönig. Rikdag und Liudolf durften zur Belohnung für ihre Unterstützung ein eigenes Kanonissenstift gründen.
Rikdag und Liudolf bereiteten deren Gründung durch einen Besuch 846 bei Papst Sergius II. vor; beide gründeten ihr Hauskloster am Höhenzug, den man Heber nennt, in keiner größeren Distanz zueinander als Wendhusen und Quedlinburg.
Apropos Wendhusen: Rikdags Sohn, Friedrich, war Graf im Harzgau und ist mit einem Grafensitz in Wendhusen überliefert. Wir sehen also am Beispiel der Rikdag-Sippe, wie der damalige Hochadel über die ganze Region hinweg entlang des späteren Königsweges politisch wirkte und uns sein Erbe überließ. Wir leben inmitten dieses Nachlasses aus dem 9. Jahrhundert.
Dardesheim:
Dardesheim liegt auf halber Strecke zwischen Hornburg und Halberstadt. Dardesheim war seit dem Ende des 8. Jahrhunderts Zwischenstation auf dem Weg von Hornburg zum Bischof in Halberstadt, wo der Bischof wohl seit 809 seinen Sitz hatte.
Im 11. Jahrhundert taten die Bischöfe von Halberstadt alles ihnen Mögliche, um die Königsburgen und Königsorte in ihrem Umfeld in ihre Hand zu bekommen, so auch Hornburg, Osterwieck und Dardesheim - was ihm auch gelang. Königsland wurde Bischofsland.
König, Bischöfe und Adel konkurrierten – oft genug zum Leidwesen der bäuerlichen Bevölkerung. Der Streit um Orte und Einnahmen wurde zur Fehde. Die Fehdes des Adels waren die Plage des Mittelalters. „All Fehd hat nun ein Ende“, singen daher immer noch beschwörend im Gottesdienst.
Vor den Fehden schützten feste Mauern. „Eine feste Burg ist unser Gott“, dichtete Martin Luther. Mauern umgaben Klöster und Städte, um sie vor Fehden zu schützen. Dardesheim war als Stadt mit Mauer geschützt wie eine große Burg. In der Mitte die Stephanus-Kirche – genauso wie in Osterwieck und Halberstadt.
Die Menschen hier wie auch in anderen befestigten Kleinstädten verstanden die Stadtmauer als „eine feste Burg“ - der Zusammenhalt der Bürger war das Fundament der Stadtmauern von Dardesheim, Hornburg Quedlinburg, Langelsheim oder Lamspringe.
Langelsheim
Langelsheim gehört zur selben Ortsnamenschicht wie Dardesheim, gehört also in jene Zeit, als die Klöster in Wendhusen (bei Quedlinburg) und Lamspringe gegründet wurden.
Ein weiterer Hinweis auf das hohe Alter Langelsheims ist der Kirchenpatron St. Andreas: Nach dem heiligen Andreas ist auch die Kirche in Wendhusen benannt. So kann der Name einer Kirche helfen, eine Ahnung dafür zu bekommen, wie alt eine Kirche doch sein muss. St. Andreas-Kirchen und St. Stephanus-Kirchen gehören zu den ersten Kirchen Ostfalens.
Die St. Andreas-Kirche gehört auch zur mächtigen Burganlage vor den Toren von Langelsheim: der Kanstein.
Die Burg „Kanstein“ bewachte den Königsweg am Übergang über den Fluss Innerste, der hier aus dem Harz tritt.
Ohne Burgen keine Königslandschaft.
Die Burgen Hornburg, Werla und Kanstein, Stötterlingenburg oder Derenburg gehören zu den Bastionen des ottonischen Königshauses, mit deren Hilfe das Königshaus sich gegen die Fehden des Adels wehrte.
Hornburg
Unüberbrückbar erschien der breite Sumpfstreifen, der sich ungefähr von der Werla bis nach Oscherleben zieht, das Große Bruch.
Bereits in der Zeit Karls des Großen musste am Ausläufer des Kleinen Fallsteins ein Damm aufgeschüttet worden sein, der Hornedamm, der den Königshof Kissenbrück und den wichtigsten Oker-Übergang Ohrum mit dem Missionszentrum Seligenstadt (heute Osterwieck) und dem Bischofssitz Halberstadt verband.
Die Bedeutung dieses Dammes ist nicht zu unterschätzen, denn die Vorgänger der heutigen Bundesstraße 6 (Harzostumgehung) und Bundesstraße 4 (Harzüberquerung, via romea) kamen unterhalb der Horneburg zusammen, und wiesen den Wanderern den Weg nach Hildesheim genauso wie nach Stade.
Unterhalb der Burg entwickelte sich ein Marktort. Handwerker wohnten in schönen Fachwerkhäusern.
Das Erbe der Königs- und Bischofslandschaft traten nun stolze Stadtbürger an, deren Stolz sich im reichen Fachwerkschmuck iher Häuser niederschlug.
Wenn heute eine Kommune in einem Jahr ein neues Schulgebäude und ein neues Rathaus errichten und der Öffentlichkeiterrichten würde, würde man wohl sagen, dieser Ort muss reich sein.
Hornburg errichtete 1545 den Ratskeller und die Lateinschule, reich geschmückt. Den Bürgern ging es gut. So gut, dass sie 1552 ihr eigenes Marktprivileg vom Halberstädter Bischof erwerben konnten.
Die Hornburger Stadtarchivarin, Frau Dr. Heise, fand in Zusammenarbeit mit Horst Müller aus Dardesheim folgende Verbindung zwischen Hornburg und Dardesheim heraus: Der Bildschnitzer Georg Froböse schuf nicht nur das Orgelprospekt vom Hamburger Michel, sondern auch von Hornburg und Dardesheim.
Und noch mehr verbindet diese beiden Haltepunkte der „Chöre auf dem Königsweg“. Der Halberstädter Orgelbauer Christoph Cuncius war es zuvor gewesen, der beide Orgelwerke in Hornburg und Dardesheim gefertigt hatte.
Und als ob das noch nicht ausreichte: Als beide Orgeln einmal erneuert werden mussten, war es wieder ein und derselbe, der an beiden Orgeln seine Spuren hinterließ, Ernst Röver.
Hornburg und Dardesheim liegen beispielhaft in der gemeinsamen Kulturlandschaft, liegen in Nachbarschaft und singen in Hornburg mit den anderen in aller Verbundenheit.
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2009 fand zum ersten Mal die Veranstaltungsreihe "Chöre auf dem Königsweg" statt.
In Brüggen (Leine), in Bockenem, in Werlaburgdorf, in Derenburg und in Quedlinburg wurde gesungen. Chöre, Sängerinnen und Sänger, kamen zusammen und bildeten für einen Auftritt einen "Projektchor".
Dieses stärkt Chöre mit Nachwuchsproblemen und geringerer Anzahl, die auf diese Weise auch an einem tollen Chorereignis teilnehmen können. Darüber hinaus wird durch Wortbeiträge der Wert und die Bedeutung von Kulturlandschaft vermittelt. Wir stärken die "Fläche" in ihrer Wahrnehmung als Kulturlandschaft und fördern Orte als Auftrittsorte in einer Reihe mit anderen Orten. Wir schaffen ein echt deutsch-deutsches Projekt des guten Miteinanders, das auch die zwischenmenschliche Ebene einbezieht. Kulturarbeit als Beitrag zur Lebensqualität.
Abschlussfoto der Fotogalerie: ausgegrabener Abschnitt des "Königsweges" (Steinpflaster, ca. 6 m breit, Kaiserpfalz Werla, ca. 940).
Dank an die Förderer: Das Projekt wird unterstützt von der Harzsparkasse und der Sparkasse Hildesheim, dem Tourismusverband Wolfenbütteler Land und der Sparkasse Goslar/Harz. Das gemeinsame Vorwort (Chorheft) der beiden Ministerpräsidenten unterstreicht die Bedeutung dieser Veranstaltungsreihe als Brückenschlag in die gemeinsame Kulturlandschaft.
Initiator ist das Ostfalen-Netzwerk (Hornburg), das die Koordination zwischen den fünf Standorten übernahm.





















































